
Im letzten Filmclip zu Ludwig Pfau ging es ja um die Schweiz. Der 28-jährige Revolutionär war dorthin geflüchtet, er lebte in Zürich und fühlte sich in der Schweiz bald nicht wohl. Das war seinen persönlichen Umständen als Flüchtling geschuldet. Für etliche Heilbronner und Heilbronnerinnen war die Schweiz ein beliebtes Reiseziel – aber klar, sie hatten im Gegensatz zu Pfau die Möglichkeit, jederzeit nach Hause zurückzukehren.
Mehr als ein Schweiz-Tourist war Carl Heinrich Dörr, der in unserer Neuerscheinung „Heilbronner Köpfe“, Band 10 von Rita Täuber gewürdigt wird. Dörr war in Tübingen geboren und aufgewachsen, hatte sich aber in Heilbronn niedergelassen. Ab 1808 hielt er sich einige Jahre in der Schweiz auf. 1810 beispielsweise stellte er in Bern drei Gemälde mit Schweizer Landschaftsmotiven aus und hat spätestens dort die neue Art der „Transparentmalerei“ kennengelernt. Dörr wurde ein Pionier in dieser neuen Gattung der Malerei und hat später seine Transparentgemälde – auch mit Schweizer Motiven – unter anderem in Heilbronn ausgestellt.
Carl Friedrich Dörr war mit dem Heilbronner Silberwarenfabrikanten Georg Peter Bruckmann befreundet. Der hatte sich schon 1803/04 als junger Mann zu Weiterbildungszwecken in der Schweiz aufgehalten; im Spätsommer 1815 heiratete er in Zürich seine zweite Ehefrau – vielleicht der Romantik wegen, vielleicht auch, weil die Papiere der aus Riga stammenden Braut Johanna Henriette Madepohl noch nicht vorlagen und eine Eheschließung in Heilbronn bzw. Württemberg deshalb nicht möglich war. Dörr besuchte das junge Paar in Zürich und berichtete nach Heilbronn, dass Freund Georg Peter in der „Ehestandslotterie“ das „große Loos“ gezogen habe.
Ein anderer aus Heilbronn stammender Künstler, der ebenfalls einige Zeit in der Schweiz als Maler lebte, war Peter Emil Recher (1879–1948), dessen spannende Biographie hierzulande es noch zu entdecken gilt. Er lebte in Feldbach am Zürichsee, bevor er sich dauerhalt in Urfeld am Walchensee niederließ. Das Walchenmuseum Urfeld würdigt ihn auf seiner Homepage.
Wer fällt uns noch ein, wenn es um Heilbronn und die Schweiz geht? Lina Weißert ist erwähnenswert. Sie ist 1851 hier geboren, als 13-Jährige ging sie mit dem Vater Sattlermeister Johannes Weißert nach Zürich. Der große Schweizer Dichter Gottfried Keller hielt um ihre Hand an – vergebens allerdings, denn die „Serviertochter“ (Bedienung) Lina Weißert war damals (um 1873/1874) schon mit Eugen Huber verbandelt. Im „Regenliedchen für Line“ hat Keller der gebürtigen Heilbronnerin ein kleines Denkmal gesetzt.
1879 heirateten Lina Weißert und der Jurist Eugen Huber, der in der Rechtsgeschichte der Schweiz eine bedeutende Rolle spielt. Ehefrau Lina hat bis zu ihrem Tod 1910 großen Anteil an der Arbeit ihres Mannes genommen. In dem Roman der Historikerin Verena E. Müller “Liebe und Vernunft. Lina und Eugen Huber, Porträt einer Ehe“ (Baden 2016) lässt sich das anschaulich nachlesen.

Erwähnen müssen wir hier auch, dass Heilbronn 1808/1809 die erste und einzige Stadt in Württemberg gewesen war, in der – versuchsweise – nach der neuen Pestalozzischen Lehrmethode unterrichtet wurde. Das lag an Carl August Zeller, der aus der Gegend um Tübingen stammte und der sich mehrere Jahre in der Schweiz mit der Unterrichtsmethode von Johann Heinrich Pestalozzi vertraut gemacht hatte. Das aufgeschlossene Heilbronn war dann genau der richtige Ort, die neue Art zu unterrichten auszuprobieren und der Volkschullehrerschaft Württembergs vorzustellen.
Erheblich präsenter in der Heilbronner Erinnerung ist da die „Schweizer Hilfe“ – an sie erinnert beispielsweise die Solothurner Straße. Die im September 1981 geschlossene Städtepartnerschaft mit der Kantonshauptstadt geht auch auf diese Hilfsaktion der Schweizer zurück.
In den wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten zu Beginn der 1920er Jahre hatten die Stadt und der Kanton Solothurn sowie das Berner Oberland die notleidende Heilbronner Bevölkerung mit dieser sogenannten „Schweizer Hilfe“ unterstützt. Der Kontakt war vermutlich von Mathilde Mühlberger ausgegangen, der Ehefrau des Heilbronner Gaswerkdirektors, einer gebürtigen Schweizerin. Im Februar 1924, nachdem die erste Lieferung von Lebensmitteln und auch Kleidung aus Solothurn hier angekommen war, richtete ein schweizerisch-deutsches Hilfskomitee in der Damm- und in der Karlschule, in der Kaserne sowie im Jugendheim eine Suppenküche ein. Die Schweizer Hilfsaktion ging Anfang März 1925 zu Ende. Unzählige Liter gehaltvoller Suppe waren an rund 600 arme Familien ausgeteilt, Kleider, Wäsche und Schuhe verschenkt worden, was den Heilbronnern sehr über die Notzeiten half.
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hofgarten16 (13. August 2021). Heilbronn und die Schweiz. Heilbronn historisch. Abgerufen am 6. Oktober 2026 von https://doi.org/10.58079/popc

